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6. Juli 2010 — vdw kritisiert immer schärfere energetische Standards: Mehr fördern statt fordern!

Wohnungswirtschaft mit Rekord: 654 Millionen Euro investiert!

Hannover. Während viele Teile der deutschen Wirtschaft nach den Turbulenzen der vergangenen zwei Jahre kräftig durchgeschüttelt derzeit wieder nach ihrem Kurs suchen, haben die 171 professionellen Wohnungsunternehmen im vdw Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft stets ihre Richtung beibehalten. Sie haben 2009 mit rund 654 (2008: 565) Millionen Euro so viel investiert wie nie zuvor. Vor allem die Ausgaben für die Aufwertung des Wohnungsbestands erreichten neue Höchstmarken. Verbandsdirektor Bernd Meyer zieht eine erfreuliche Zwischenbilanz: „Etwa zwei Drittel der rund 375.000 Wohnungen unserer Mitgliedsunternehmen sind energetisch bereits so saniert und modernisiert, dass sie den Anforderungen der Kunden vollauf entsprechen.“

Der größte Teil der Investitionen wird für Klimaschutzmaßnahmen aufgewendet, um Umwelt und Kunden zu entlasten. Allerdings sei der Erfolg der vdw-Strategie gefährdet, sagte vdw-Verbandsdirektor Bernd Meyer in Hannover: „Wer Klimaschutz fordert, muss Klimaschutz auch fördern. Stattdessen werden vom Bund die wichtigsten Programme gekürzt oder sogar eingestellt. So können die ehrgeizigen Ziele zur Reduzierung von CO2-Emissionen im Gebäudebereich natürlich nicht erreicht werden.“

Im Einzelnen: Erst wurde auf Bundesebene die Förderung zur privaten Heizungsmodernisierung gestoppt und die zugesagte Summe von 115 Millionen Euro eingefroren. Selbst wenn die Haushaltspolitiker das Geld für dieses Marktanreizprogramm im Juli wieder freigeben, ist das Signal nach Meyers Ansicht fatal: „Klimaschutz wird zur Verfügungsmasse.“

Noch gravierender sind die Einschnitte bei den KfW-Programmen zur energetischen Gebäudesanierung. Schon für 2010 wurden die Mittel für dieses einmalige Erfolgsmodell gegenüber 2009 um rund 700 Millionen auf 1,3 Milliarden Euro gekürzt. Dies führt dazu, dass in Kürze keine Förderung mehr für energieeffizientes Sanieren zur Verfügung steht. Jetzt plant der Bund für 2011 eine Reduzierung der KfW-Mittel auf 450 Millionen Euro. Der vdw-Chef meint: „Aktiver Klimaschutz wird so unrealisierbar. Zumal der Multiplikatoreffekt völlig außer Acht gelassen wird: Ein Euro KfW-Förderung hat rund neun Euro an Investitionen bewirkt. 2009 wurden auf diese Weise bundesweit rund 617.000 Wohnungen gefördert und rund 290.000 Arbeitsplätze gesichert.“

Investitionen der vdw-Mitglieder

Die fehlende politische Unterstützung führt im laufenden Jahr vermutlich zu einem Rückgang der Gesamtinvestitionen der vdw-Mitglieder für Modernisierung, Instandhaltung und Neubau um rund 40 Millionen Euro. 2009 haben die Wohnungsgenossenschaften und -gesellschaften im vdw 654 Millionen Euro investiert. Davon entfielen auf den Bestand 562 Millionen Euro, auf den Neubau 92 Millionen Euro.

Neubau

Die Talfahrt beim Wohnungsneubau nimmt dramatische Formen an. Bei den vdw-Mitgliedsunternehmen deutet sich eine leichte Trendwende an, denn sie haben im vorigen Jahr 418 (2008: 324) Wohneinheiten fertig gestellt. Bundesweit wurde mit 159.000 (2007: 174.000) Wohnungen dagegen ein neuer Tiefpunkt erreicht.
In Niedersachsen wurden nur 11.907 Wohnungen neu gebaut, rund 2000 weniger als 2008. Der Rückgang der Fertigstellungszahlen betrifft alle Sektoren des Wohnungsbaus. So wurden 2009 niedersachsenweit nur noch 7529 (2008: 7795) Einfamilienhäuser, 702 (770) Zweifamilienhäuser und 2748 (2923) Wohnungen in Mehrfamilienhäusern im Neubau errichtet. 
Auch in Bremen geht es mit den Neubauzahlen weiter abwärts. Nach 788 fertiggestellten Wohnungen 2008 waren es im vergangenen Jahr nur noch 488; darunter 273 (2008: 330) Einfamilienhäuser, 18 (19) Zweifamilien-häuser und 195 (239) Wohnungen in Mehrfamilienhäusern.

Miete und Nebenkosten

Die Nettokaltmiete beträgt bei den niedersächsischen vdw-Mitgliedsunternehmen im Durchschnitt 4,89 (2008: 4,81) Euro pro Quadratmeter, in Bremen sogar nur 4,61 (4,59) Euro pro Quadratmeter. „Trotz der hohen Investitionen liegen wir nach wie vor deutlich unter den ortsüblichen Vergleichsmieten und bleiben damit die günstigsten Anbieter von Wohnraum", hebt vdw-Direktor Bernd Meyer hervor. Eine durchschnittliche Genossenschaftswohnung (63 qm) kostete 2009 in Niedersachsen (inkl. der „kalten“ Betriebskosten) wie im Vorjahr 389 Euro/Monat, bei den Wohnungsgesellschaften blieb die durchschnittliche Bruttokaltmiete ebenfalls konstant bei 395 Euro/Monat.

Es zahlt sich für die Mieterhaushalte aus, dass die „kalten“ Betriebskosten (z.B. Müll, Abwasser und Versicherungen) durch aktives Management der Wohnungsunternehmen moderat gehalten werden. In Niedersachsen gingen die „kalten“ Betriebskostenvorauszahlungen 2009 auf 1,38 (2008: 1,43) Euro/qm zurück, in Bremen lagen sie sogar durchschnittlich bei 1,25 (1,22) Euro/qm.

Umfrage unter Wohnungsunternehmern

Bei der alljährlichen Befragung der Wohnungsunternehmen durch den GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen bewerteten 63 Prozent der Befragten ihre aktuelle Geschäftslage im Jahr 2010 positiv. Das ist rund ein Prozentpunkt mehr als noch im Vorjahr (knapp 62 Prozent). Rund 34 Prozent sehen ihre Geschäftslage als "befriedigend" an. Lediglich 2,5 Prozent der Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage negativ. Das ist mehr als ein Prozentpunkt weniger, als in 2009 (3,6 Prozent). Dieser positive Trend setzt sich bei der Bewertung der künftigen Geschäftslage fort. Mit rund 74 Prozent rechnen mehr Unternehmen als im Vorjahr mit einer künftig gleichbleibenden Entwicklung der Geschäftslage. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei rund 72 Prozent. Rund 11 Prozent der Unternehmen befürchten künftig eine Verschlechterung ihrer Geschäftslage. Hier lässt sich ein deutlich positiver Trend erkennen, denn im Vorjahr rechneten noch mehr als 15 Prozent der Unternehmen mit einer negativen Entwicklung.

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