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20. Januar 2009 — vdw legt dritte Wohnungsmarktstudie vor
„Niedersachsen und Bremen brauchen dringend neue Stadtumbau-Konzepte“
Hannover. „Wer jetzt nicht gegensteuert, fährt in Sachen Stadtentwicklung in eine Sackgasse.“ Bei der Vorstellung der dritten GEWOS-Wohnungsmarktstudie hat Bernd Meyer, Direktor des Verbandes der Wohnungswirtschaft Niedersachen Bremen (vdw), am Dienstag in Hannover darauf hingewiesen, dass in einigen Regionen des Verbandsgebietes Entwicklungen wie in Ostdeutschland drohen: Bevölkerungsschwund, verwaiste Viertel, Verlust der Infrastruktur.
GEWOS rechnet für 2020 mit gravierenden Wohnungsleerständen beispielsweise in Osterode am Harz (24 %), Northeim und Helmstedt (jeweils 20 %). Gegen den allgemeinen Trend wird lediglich in Bremen, Oldenburg, der Region Hannover, der Grafschaft Bentheim sowie den Landkreisen Oldenburg, Harburg und Lüneburg im Jahr 2020 die Wohnungsnachfrage leicht größer sein als das Angebot.
Im Auftrag des vdw hat das Hamburger GEWOS-Institut nach 2002 und 2004 erneut ein Gutachten zur "Entwicklung der Wohnungsmärkte in Bremen und Niedersachsen bis 2020" vorgelegt. "Diese Studie wird – wie schon ihre Vorgänger – entscheidende Impulse geben für die Stadt- und Wohnungspolitik in beiden Ländern", erwartet vdw-Verbandsdirektor Meyer.
Der dritten GEWOS-Studie zufolge werden sich einige Trends in den nächsten Jahren verstärken, die schon vor vier bzw. sechs Jahren Anlass zur Sorge gegeben hatten. Insbesondere Südniedersachsen wird unter einem erheblichem Bevölkerungsrückgang leiden.
„Die regionalen Disparitäten bleiben bestehen und verstärken sich zum Teil. Für Niedersachsen zeigt sich der demografische Knick nach diesem Jahr. Die Bevölkerungszahl erreicht 2009 ihren Höhepunkt, um dann stetig abzusinken“, erläuterte GEWOS-Geschäftsführerin Renate Szameitat. Gestützt unter anderem auf Daten des Statistischen Bundesamtes rechnet GEWOS mit einem Bevölkerungsverlust in Niedersachsen von rund 300.000 auf dann 7,8 Millionen Personen bis 2020. Im Land Bremen sei ein Rückgang von 14.000 auf 657.000 zu erwarten.
Obwohl der Neubau derzeit praktisch zum Erliegen gekommen ist, hat die intensive Bautätigkeit insbesondere im Einfamilienhausbau zu Zeiten der Eigenheimzulage in Niedersachsen ihre Spuren auf dem Wohnungsmarkt hinterlassen. GEWOS hat errechnet, dass der Angebotsüberhang von 2004 bis 2007 um 32.750 auf nunmehr 71.500 Wohneinheiten angestiegen ist. Bis zum Jahr 2020 erwartet man sogar einen Leerstand von 161.500 Wohnungen.
„Unsere 177 Mitgliedsunternehmen sind von dieser Entwicklung bisher weitgehend verschont geblieben“, betonte vdw-Chef Meyer. Dies belege, dass sich die professionelle Strategie der qualitativen Aufwertung der Wohnungsbestände landauf, landab bewährt habe. „Jahr für Jahr investieren die vdw-Mitglieder rund 500 Millionen Euro in die Modernisierung, vor allem in Energiesparmaßnahmen, die sich für die Mieter wirklich bezahlt machen.“
Gleichwohl wird sich die Situation in immer mehr Regionen verschärfen. Meyer forderte Bund, Länder und Kommunen auf, der Stadtentwicklung mehr Aufmerksamkeit zu widmen: „Ob die Überschrift nun Stadtumbau West heißt oder Soziale Stadt oder Städtebauförderung: Diese Töpfe dürfen nicht zum Spielgeld von Finanzpolitikern werden. Jeder Euro, der jetzt nicht für den Umbau unserer Städte und Gemeinden investiert wird, kommt uns später teuer zu stehen.“
Der vdw schlägt vor, in den Landkreisen und kreisfreien Städten an „Runden Tischen“ neue tragfähige Konzepte für die jeweilige Region zu entwickeln. Dazu Bernd Meyer: „Wir brauchen unbedingt ein freundlicheres Klima für Investoren, flexiblere Programme, schlanke Förderbedingungen, eine klare Schwerpunktsetzung für die betroffenen Regionen, keine Leuchtturmprojekte mehr, sondern harte Basisarbeit. Bestand vor Neubau – das muss die Marschrichtung sein. Auch die öffentliche Förderung von Abriss ist kein Tabu mehr.“
Mehr zur neuen GEWOS-Studie im Internet unter www.vdw-online.de. GEWOS hat erneut jeden Landkreis und jede kreisfreie Stadt genauer unter die Lupe genommen und die Ergebnisse in so genannten Regionssteckbriefen zusammengefasst. Auch für die Stadt Bremen und Bremerhaven gibt es gesonderte Untersuchungsresultate.