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"Wohnungsbauförderung jetzt von Darlehen auf Zuschüsse umstellen"

Papenburg. Einen Paradigmenwechsel in der Wohnungspolitik fordert der Verband der Wohnungswirtschaft Niedersachsen Bremen (vdw). Statt wie bisher den Wohnungsneubau nur mit Darlehen zu fördern, müssten die Länder künftig Zuschüsse gewähren. Geld vom Bund könnte dabei helfen. „Erklärtes Ziel ist es, gerade in den Ballungszentren mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen. Doch der Neubaumotor stottert. Mit direkten Zuschüssen würde die Politik endlich in einen höheren Gang schalten“, sagte Verbandsdirektor Heiner Pott beim Verbandstag in Papenburg. Zu seinem Jahrestreffen konnte der Branchenverband rund 300 Gäste begrüßen. Festredner war DRK-Präsident Rudolf Seiters.

Die regionalen Wohnungsmärkte sind sehr angespannt. Bundesweit müssten nach Einschätzung des vdw jährlich 400.000 Wohnungen gebaut werden, 150.000 mehr als im vergangenen Jahr. Um dieses Ziel zu erreichen, nimmt die Wohnungs-wirtschaft vor allem die Landesregierungen in Hannover und Bremen in die Pflicht. Pott machte deutlich: „Wir fordern, dass Niedersachsen den Wohnungsneubau von 2017 bis 2020 mit insgesamt mindestens 400 Millionen Euro bezuschusst; Bremen muss dies im gleichen Zeitraum mit 20 Millionen Euro tun.“ Nur so seien nachhaltige Impulse für mehr Wohnungsneubau möglich.

Der vdw-Verbandstag hat in seiner „Papenburger Erklärung“ weitere Vorschläge aufgelistet, um schneller und günstiger bezahlbaren Wohnraum errichten zu können. „Statt einer verkorksten Mietpreisbremse brauchen wir eine Baupreisbremse“, sagte vdw-Chef Pott. Ansatzpunkte sind nach Auffassung der Branche: Vergabe kommunaler Grundstücke nach Konzeptqualität und nicht im Höchstbieterverfahren; Entrümpelung der Bauordnungen; Streichung der landesweiten Regelung zur Ausweisung von Stellplätzen; keine weitere Erhöhung der Grunderwerbsteuer.

Auch bei der Wohnfläche will der vdw neue Ideen durchsetzen. Pott schlägt vor,  Wohnungsgrößen zu ändern: „Jeder muss sich einschränken. Und deswegen lautet unsere Rechnung: Weniger Grundfläche – weniger Kosten! Wir schlagen vor, die Pro-Kopf-Wohnfläche im Neubau um zehn Prozent zu reduzieren, um Bau- und Bewirtschaftungskosten und somit auch die Mietbelastung zu senken.“

„Wir erwarten in den kommenden Wochen offene Gespräche mit den Landesregierungen, aber auch mit den Kommunen“, sagte Heiner Pott. Die Wohnungswirtschaft sei in jedem Fall bereit, ihrer Verantwortung in den Städten und Quartieren nachzukommen. Die rasant wachsende Neubauquote belege dies nachdrücklich: Wurden von den Verbandsunternehmen 2015 noch rund 1000 neue Wohnungen errichtet, werden es diesem Jahr 2000 und 2017 voraussichtlich 3000 neue Wohnungen sein. „Diese Steigerungsraten sind vor dem Hintergrund ungenügender politischer Rahmenbedingungen, rasant steigender Baukosten und Kapazitätsengpässen bei Bauindustrie und Handwerk erstaunlich und belegen die Leistungskraft unserer Branche“, betonte Pott.

Investitionen steigen weiter

Die 170 Mitgliedsunternehmen haben im Geschäftsjahr 2015 so viel investiert wie nie zuvor. In diesem Jahr sollen die Ausgaben weiter kräftig steigen. So beliefen sich die Gesamtinvestitionen für Neubau und Bestandsentwicklung 2015 auf 690 Millionen Euro, 2016 sind 1,06 Milliarden Euro als Investitionen eingeplant. Der Anstieg ist vor allem auf die Neubautätigkeiten zurückzuführen. Während 2015 dafür noch 252,2 Millionen Euro ausgegeben wurden, könnten es in diesem Jahr mehr als 570 Millionen Euro sein.

Leerstand erreicht Tiefpunkt

Die niedersächsischen Mitgliedsunternehmen des vdw verzeichneten Ende 2015 einen Wohnungsleerstand von 1,5 Prozent. Das ist im Bundesvergleich der geringste Wert in einem Flächenland. Noch erfreulicher ist die Vermietungssituation in Bremen und Bremerhaven: Dort lag die Leerstandsquote bei lediglich 1,0 Prozent. Nur Hamburg liegt mit 0,8 Prozent noch darunter. Das hat die Auswertung der Jahresstatistik des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen ergeben.

Wohnungswirtschaft in der Region

Im Raum Papenburg/Leer gehören drei Genossenschaften zum vdw. Der Bauverein Leer, der Gemeinnützige Bauverein Papenburg und die Baugenossenschaft Aschendorf-Hümmling bewirtschaften zusammen rund 2900 Wohnungen und gehören damit zu den wichtigsten Anbietern von preisgünstigen Mietwohnungen in der Region. Im vergangenen Geschäftsjahr 2015 haben die drei Genossenschaften insgesamt knapp 6,7 Millionen Euro für Bestandssanierung und Neubau investiert. In diesem Jahr sollen die Ausgaben auf 13,5 Millionen Euro gesteigert werden. Insbesondere der Neubaubereich wächst – und zwar von 2,65 auf 10,5 Millionen Euro. Damit tragen die Unternehmen der steigenden Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum Rechnung.

Die Papenburger Erklärung im Wortlaut...